Lange Nacht der Menschenrechte

 feste Termine im  FilmABC

Die Lange Nacht… schließt mit
„Styx“ mit Susanne Wolff

Ein langer Abend mit den Gewinnern des Deutschen Menschenrechts Filmpreises 2018

 

Hier folgt der ungefähre zeitliche Ablauf der Langen Nacht. Nach den kürzeren Filmen findet jeweils ein Gespräch mit Regisseurin oder Regisseur statt. Wolfgang Fischer, der Regisseur von ,Styx‘, spricht vor dem Film, mit dem die Lange Nacht schließt.

Übersicht über den Abend

ca. 18.15 Uhr
»Just a normal Girl«, 
anschl. Gepräch mit Yasemin Markstein

ca. 18.50 Uhr
»Erst integrieren, dann abschieben: Deutschlands absurde Asylpolitik« 
anschl. Gepräch mit Naima El Moussaoui

ca. 19.10 Uhr
»Thinking like a Mountain«, anschl. Gepräch mit Alexander Hick

ca. 20.30 Uhr
»Joe Boots, anschl. Gepräch mit Florian Baron

ca. 21.15 Uhr
»Der Tatortreiniger – Sind Sie sicher?«, anschl. Gepräch mit Arne Feldhusen

ca. 22.00 Uhr
Wolfgang Fischer führt ein in seinen Film ,Styx‘

ca. 22.15 Uhr
Erfrischungspause an der Kinobar

ca. 23.15 Uhr
»Styx« 

Die einzelnen Filme


Just a normal Girl

von Vanessa Ugiagbe und Yasemin Markstein
DE 2018, 25 Min., Dokumentarfilm

Vanessa soll als Kind beschnitten und zwangsverheiratet werden. Die Mutter flieht mit Vanessa und ihrem Bruder erst in eine andere Stadt in Nigeria, dann weiter nach Deutschland. Hier will Vanessa nun endlich ein ganz normaler Teenager sein.
Aus der Jurybegründung
Der Film "Just a normal Girl" besticht durch seinen Kontrast zwischen eindringlich und bildhaft erzählten Interviews und den jugendlich lebensfrohen Aufnahmen des Alltags der Filmemacherin und Protagonistin Vanessa. Der für die Tochter lebenswichtige Zusammenhalt mit ihrer Familie und der kämpferische Wille der Mutter ihre Tochter vor den Traditionen ihrer Familie zu beschützen, zeigt einen wichtigen Schritt für die Zukunft: Mütter die ihren Töchtern eine bessere Zukunft wünschen und gönnen, anstatt sie ihr eigenes Schicksal wiederholen zu lassen.

Erst integrieren, dann abschieben: Deutschlands absurde Asylpolitik

von Naima El Moussaoui und Ralph Hötte
DE 2017, 10 Min., Magazinbeitrag Monitor

Die deutsche Asylpolitik scheint vielerorts vor allem einem Motto zu folgen: Hauptsache raus! Insbesondere nach Afghanistan wollen Bund und viele Länder verstärkt abschieben. Wer da abgeschoben wird, wird öffentlich kaum diskutiert. Dabei sind viele darunter, die seit Jahren hier leben, Arbeit haben oder eine Ausbildung.
Aus der Jurybegründung
Die Jury hat sich für den Magazinbeitrag „Erst integrieren, dann abschieben: Deutschlands absurde Asylpolitik“ entschieden, weil er Informationen und Emotionen gut ausbalanciert und dramaturgisch perfekt komponiert. Die Protagonisten erzählen ihre Geschichten und treiben so die Story voran, ohne je den roten Faden zu verlieren. Die Perspektive ist besonders interessant. Die Absurdität der Asylpolitik wird nämlich nicht aus Sicht der Asylsuchenden, sondern aus Sicht der Deutschen beschrieben. 

Der Tatortreiniger – Sind Sie sicher?

von Arne Feldhusen und Mizzi Meyer
DE 2016, 30 Min., Serie & Unterhaltung

„Sind Sie sicher?“ – mit dieser Frage quält Herr Grimmehein, Chef einer Unternehmensberatung und wunderbar maliziös gespielt von Sebastian Blomberg, seine Mitarbeiter und auch Tatortreiniger Schotty mit diabolischer Lust. Die Überreste von Grimmeheins Wirken haben Schotty in eine Consulting-Firma geführt – ein Mitarbeiter hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Schotty lernt eine Welt kennen, in der im Karrierehamsterrad strampelnde Mitarbeiter seit Nächten nicht geschlafen haben und Toilettengänge zeitlich erfasst werden.
Aus der Jurybegründung
Darf man in Fragen der Menschenrechte und der Menschenwürde lachen? Im Falle des Tatortreinigers kann man diese Frage nur unbedingt bejahen. Wir sind uns sicher: Der Tatortreiniger wird auch in der Bildungslandschaft aufräumen. 

Thinking like a Mountain

von Alexander Hick
DE 2018, 71 Min., Dokumentarfilm

Der höchste Berg Kolumbiens, die Sierra Nevada Santa Marta, ist ein Ort, wo Krieg und Frieden nebeneinander existieren. Der Filmemacher besucht das Bergvolk der Arhuacos und erzählt deren spannende Geschichte des Widerstands.
Aus der Jurybegründung
Alexander Hick gelingt es, Nähe zu den in Zurückgezogenheit lebenden Arhuacos zu gewinnen und so einzigartige Einblicke in das Leben des indigenen Volkes zu schaffen. Mit einer respektvollen und poetischen Herangehensweise zeichnet er ein umfassendes Porträt der spirituellen Naturverbundenheit der Arhuacos.


Joe Boots

von Florian Baron
DE 2017, 30 Min., Dokumentarfilm

Unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. September entschließt sich Joe, zum Militär zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt ist er 17 Jahre alt und verlässt die High-School mit großen Zukunftsträumen. Als er aus der Grundausbildung zurückkommt, geben ihm seine Freunde den Spitznamen Joe Boots. Schon kurze Zeit später schickt man ihn zum Einsatz in den Irak.
Aus der Jurybegründung
Joe Boots kehrt aus dem Irak schwer traumatisiert zurück. Das Trauma äußert sich in Aggression gegen sich selbst und seine Umwelt, in schwerem Alkoholismus und Drogensucht. Für seine Krankheit hat das Gesundheitssystem seit dem Vietnam-Krieg einen Namen: Posttraumatisches Belastungssyndrom und eine Pille. Mehr nicht. Wie sich Joe Boots rettet, macht trotzdem Hoffnung. Seine Fähigkeit zu kritischem Denken und Selbstreflektion trägt den Film und inspiriert zum Weiterdenken.


Styx

von Wolfgang Fischer mit Susanne Wolff
DE 2018, 95 Min., Spielfilm

Die Kölner Notärztin Rike nimmt eine Auszeit von ihrem stressigen Job. Sie reist nach Gibraltar, um sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen: ein Segeltörn ganz allein zur tropischen Insel Ascension im Atlantischen Ozean. Doch ihr Urlaub nimmt eine unerwartete Wende, als ihr nach einem Sturm ein schwer beschädigtes und hoffnungslos überfülltes Flüchtlingsboot begegnet.
Aus der Jurybegründung
„Styx“ bezieht seine Wucht aus der geradezu archaischen Begrenzung auf einen überschaubaren, erzählerischen Rahmen, in dem die Schärfe des Konflikts umso deutlicher wird - meisterlich unterstützt durch die ausgezeichnete Kamera von Benedict Neuenfels und die erbarmungslose Montage von Monika Willi, die uns kein Entrinnen aus dem Dilemma gestattet.
Die Jury zeichnet erstmals in der Kategorie Langfilm einen Spielfilm mit dem Deutschen Menschenrechtsfilmpreis aus. „Styx“ ist ein herausragendes Beispiel für das, was anspruchsvoller fiktionaler Film leisten kann.

Längere Texte zu den Filmen finden Sie auf der Seite des Deutschen Menschenrechts Filmpreises.

Veranstaltung mit vielen Gästen
In Kooperation mit Amnesty International Bezirk Hamburg, Bahá’í-Gemeinden Hamburg, Evangelische Akademie der Nordkirche, Hamburgischer Anwaltverein, peace brigades international/Deutscher Zweig, SEGEMI Seelische Gesundheit Migration und Flucht sind am Abend des 13. September von 18 Uhr bis tief in die Nacht die Preisträger des „Deutschen Menschenrechte Filmpreises“ im Abaton zu Gast. Als Unterstützer ist auch Katja Günther, die Staatsrätin der Justizbehörde anwesend.
Es moderiert mit Marko Junghänel der frühere Gesamtkoordinator des Menschenrechts-Filmpreises.