In My Room

Regie: Ulrich Köhler
Kamera: Patrick Orth
Darsteller: Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn, Ruth Bickelhaupt
DE 2017, 120 Min., dtF, ab 12
 feste Termine im  FilmABC

Endzeit(t)raum von Ulrich Köhler

Armin ist Kameramann und gerade im Bundestag beschäftigt. Was ihn nicht davon abhält, so richtig Mist zu bauen. Später besucht er seinen Vater, aber der … was soll’s … Armin hat sein Leben verhauen. Nix erreicht. Vielleicht denkt er das nur selbst, vielleicht ist es wahr und nicht schlimm. Wer weiß? Wer kennt das Gefühl nicht?

Nachts wird unser Mann beim Autofahren so müde, dass er anhalten muss. Als er am nächsten Morgen weiterfährt, hat sich die Welt verändert: die Menschen sind verschwunden. Auf der Straße stehen die Autos leer herum, die Motorräder liegen, da steht auch ein Bus, menschenleer. Ein Hund läuft noch rum. Und wenn keiner mehr im Supermarkt ist? Und in der Videothek auch nicht?

Also … so unangenehm ist die neue Situation nicht. Einige Zeit später werden wir Armin wieder begegnen. Er hat eine Hütte gebaut, ernährt sich von seinem Garten und den Tieren, mit denen er lebt. Armin sieht verdammt fit aus. Dann kommt Kirsi, Italienerin, Herrin über einen riesigen LKW. Wird das jetzt eine Love-Story? Die letzten Menschen beginnen alles von vorne? Geht das … in einem Film der Berliner Schule?
Ulrich Köhler konnte nach seinem Debütfilm ,Bungalow‘, nach der ,Schlafkrankheit‘ und ,Montag kommen die Fenster‘ seinen neuen Film in Cannes vorstellen. Ohne Umschweife erzählt er seine dystopische Geschichte, die Mann als den Rettungstraum des weißen Mannes (Europäer, Mittvierziger, gebildet, vom Leben enttäuscht) sehen mag. Oder?

Fragen wir den Regisseur? Der sagt: „Wir neigen dazu, gesellschaftliche Zwänge für unsere Unfreiheit verantwortlich zu machen. Dabei übersehen wir, dass unsere Biografien uns erst zu dem machen, der wir sind. Wir haben vieles verinnerlicht und können vielleicht
gar nicht so viel mit der Freiheit anfangen.“ Und das – Verliebtsein zwischen absoluter Freiheit und der „Biografie“ – ist verdammt spannend.