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So 16.12.
11:00
dtF

Die Rückkehr der Täter

Dokumentarfilme von Hannes Heer
 feste Termine im  FilmABC
 16.12. um 11:00 Uhr: Fischerhude / „Brûlez ces lettres!“
 20.1.2019 um 11:00 Uhr: Fluchtpunkt London
 17.2.2019 um 11:00 Uhr: Ich kann das Böse nicht mehr sehen / Joseph Beuys
 17.3.2019 um 11:00 Uhr: Als Soldaten Mörder wurden

Hannes Heer

Eine Archäologie der Nazi- und der Nachkriegszeit

Hannes Heer, Jg. 1941, war nach dem Studium der Geschichte und Literatur Rundfunkautor, Regisseur, Kurator der Ausstellungen »Verbrechen der Wehrmacht« und »Die Vertreibung der Juden aus der Oper 1933 bis 1945«. Der Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille ist Autor zahlreicher Publikationen zu Wehrmacht, Krieg und Erinnerung. 

In dieser Reihe gibt Hannes Heer eine kurze Einführung, zeigt die unten präsentierte Auswahl seiner Filme und diskutiert im Anschluss mit seinen Gästen, die aufgrund ihrer Profession etwas zum jeweiligen Thema zu sagen haben.

Einen Flyer zur Reihe können Sie hier downloaden. 

 

16. Dezember 2018 um 11 Uhr
Unter dem Thema ,Leben im Faschismus‘
mit anschließender Diskussion mit dem Historiker Stephan Linck (ev. Akademie)

Fischerhude. Ein deutsches Dorf in der Nazizeit.

NDR 1980, 45 Min.

In Gesprächen mit ehemaligen SA-Männern, einem Sozialdemokraten, mit dem damaligen HJ-Führer, der BDM-Führerin, mit der Mutter der im Alter von 22 Jahren hingerichteten Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek und am Beispiel des aus Fischerhude stammenden und 1952 straflos dorthin zurückgekehrten stellvertretenden Gauleiters Heinrich Peper werden die Gründe für den Sieg des Nationalsozialismus auf dem Land gezeigt.

„Brûlez ces lettres!“ Verbrennt diese Briefe!

NDR 1986, 45 Min.

Drei Studentinnen organisierten auf dem Weg in ihre Kunsthochschule in Berlin 1941 bis 1943 in der S-Bahn eine illegale Hilfsaktion für französische Kriegsgefangene, die jeden Morgen zur Zwangsarbeit transportiert wurden. Eine der drei – die Malerin Meme Bontjes van Beek – hat die Kassiber von damals, in denen die Gefangenen mitteilten, was sie brauchten, unter den Dachsparren ihres Elternhauses in Fischerhude versteckt und 1986 wiedergefunden. Mit Hilfe dieser Briefe konnten zwei der ehemaligen Kriegsgefangenen in Frankreich entdeckt werden. Aus den Erzählungen der vier Überlebenden entsteht die Geschichte eines unspektakulären, alltäglichen Widerstandes in Nazideutschland.

20. Januar 2019 um 11 Uhr

Fluchtpunkt London

SWF 1991, 90 Min.

Der Zweiteiler untersucht die Geschichte der zehn Exilregierungen im Zweiten Weltkrieg. Ab 1940 als legale Vertretung ihrer von Nazideutschland besetzten Länder in London residierend, waren sie zunächst der lebendige Beweis, dass Hitlers „Neues Europa“ jeder Legitimität entbehrte. Dann wurden sie die Brückenpfeiler der Widerstandsbewegung in ihren Ländern. Der Sieg am Ende bedeutete für einige der befreiten Völker – die Polen, die Griechen und die Tschechoslowaken – eine Katastrophe: Sie wurden zu Opfern der „Realpolitik“ der Großmächte. Fluchtpunkt London ist ein Exempel für den europäischen Widerstand, die Unberechenbarkeit der Geschichte und den Untergang des alten Mitteleuropa. Der Film entstand im Gespräch mit prominenten Protagonisten – dem polnischen Außenminister, dem Adjutanten und zwei Mitarbeitern Charles de Gaulles, der Sekretärin des griechischen Ministerpräsidenten, eines Journalisten der tschechoslowakischen Abteilung der BBC, Prinz Bernhard der Niederlande, dem Leiter der Mittel-Europa-Abteilung des Foreign Office und einem Offizier der SOE, der britischen Zentrale der europäischen Widerstandsbewegungen. Gedreht wurde an den alten Schauplätzen in London.

17. Februar 2019 um 11 Uhr

Ich kann das Böse nicht mehr sehen

SWF 1989, 45 Min.

Ein Film über das Bellaria-Kino in Wien, in dem nur bis 1944 gedrehte deutsch-österreichische Filme gezeigt werden – für Leute, die alle älter sind als 60 Jahre. Damals war ihre beste Zeit! Jeden Tag sitzen sie in einer der drei Vorstellungen und erinnern sich an die vergangenen Tage. Ein Film über alte Menschen, ihre Träume, ihre Einsamkeit und über den Tod – mit dem Titelsong von André Heller, der all das enthält.

Joseph Beuys, Kleve. Eine Innere Mongolei

WDR 1991, 30 Min.

Wie die Besucher des Bellaria-Kinos ihre Kinoträume mythologisch so aufgeladen haben, dass sie deren Leben bestimmen, so hat der Joseph Beuys in Installationen, Zeichnungen und Aktionen fortwährend seine eigenen Mythen geschaffen. Ausgehend von einer Ausstellung früher Zeichnungen und Bilder hat der Film den Versuch unternommen, das Gegenmodell des Künstlers zur Gegenwart, das er mit den Begriffen „Eurasien“ und Innere Mongolei" versah, zu zeigen und ihn selbst als "christlichen Schamanen" vorzuführen. Der Film stützt sich dabei auf den bisher kaum beachteten biographischen Abriß, den Beuys als "Lebenslauf. Werklauf" hinterlassen hat und auf die Zeugnisse von Weggefährten und Familienmitgliedern.

17. März 2019 um 11 Uhr

Als Soldaten Mörder wurden.
Die deutsche Wehrmacht in Weißrussland.

Arte/ZDF 1997, 90 Min.
Gemeinsam mit Gerhard Thiel

Der Film zeigt – anhand von Dokumenten und gestützt auf die Aussagen deutscher und weißrussischer Zeitzeugen – wie die deutsche Wehrmacht während ihrer dreijährigen brutalen Besatzung für die Ermordung von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener und Teilen der Zivilbevölkerung, darunter auch der Juden, verantwortlich oder mitverantwortlich war. Der Film wurde ausgestrahlt, während die vom Autor kuratierte Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht heftige Debatten auslöste. Völlig ungeplant wurde dieser Film ein Teil dieser bisher nie geführten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Nazideutschlands.

Vorstellung mit Gästen
In der Matinee am 16. Dezember präsentiert Hannes Heer mit ,Fischerhude‘ und ,Verbrennt diese Briefe!‘ zwei Filme über das Leben im Faschismus. Im Anschluss ist der Historiker Stephan Linck (Ev. Akademie) zu Gast, der die kirchliche (Nicht-)Aufbereitung der Nazi-Zeit erforscht und in mehreren Veröffentlichungen dargestellt hat.