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Einzelgänger und Weltmeister

Es ist schon ein Wunder, dass diese Geschichte bis jetzt nur einmal – und etwas halbgar (,Le jardinier de l’Argenteuil‘ mit Jean Gabin, 1966) – verfilmt wurde, dass es keinen Roman gibt, der von Czesław Jan Bojarski erzählt, denn der Mann war außergewöhnlich … aber dann auch wieder sehr normal. Es geht also auch darum, dass dieser polnische Ingenieur, den der Krieg nach Frankreich gespült hat, fünfzehn Jahre lang ein perfektes Doppelleben führt: halb kleinbürgerlicher Familienvater, halb Künstler, halb technischer Perfektionist, halb Verbrecher. Aber der Reihe nach…

Czesław Bojarski, der in Frankreich nur seinen zweiten Vornamen Jan benutzt, war ein sehr geschickter Ingenieur, er hat viele Erfindungen gemacht in den Nachkriegsjahren, aber auch schon vorher. Aber ein Mann ohne Papiere kann keine Patente beantragen. Also schlägt er sich mit kleinen Aufträgen durch, bis jemand seine Fähigkeiten sieht und bei ihm die Fälschung einer Banknote bestellt…

Bojarski wurde eine Ein-Mann-Geldmaschine. Alles, was er brauchte, hat er selbst hergestellt: das Papier, die Maschinen, die Tinten, alles!

Dann begann er mit der 1000er Note der „alten Francs“, später kam die 5000er. Als die neuen Francs kamen, nahm er sich die 100er Note mit dem Napoleon drauf vor (was 10.000 alten Francs entsprach). Nie hat er jemandem erzählt, was er treibt. Seine Familie wusste nicht, was er ein einem geheimen Kellerraum seines Gartenhäuschchens treibt. Seine Geheimhaltung war perfekt. Bojarski hatte strenge Regeln: Nur maximal ein Schein in einem Laden, keinen Luxus kaufen, zu niemandem ein Wort. Man sollte auch dies verstanden haben: Bojarski kaufte möglichst kleine Dinge mit seinen 100 Franc-Noten, denn das Rückgeld war sein „Verdienst“. Damit konnte er wirklich etwas kaufen. Seine Frau glaubte, er wäre als Handelsvertreter unterwegs, während er mit dem Zug durch Frankreich fuhr und überall im Land seine Banknoten Stück für Stück unter die Leute brachte.

Irgendwann fielen diese falschen Banknoten dann doch auf. Die Bank von Frankreich war außer sich: Diese Exemplare waren zum Teil besser als die Originale. Der Pariser Kommissar Mattei Anton machte es zu seiner Lebensaufgabe, diesen genialen Fälscher ausfindig zu machen…

Der neue Film von Jean-Paul Salomé (,La Daronne‘, ,Die Syndikalistin‘ beide mit Isabelle Huppert) ist das Porträt eines Menschen, wie man ihm selten begegnet, und ein Krimi: ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Kommissar und Fälscher über mehr als ein Jahrzehnt. 

Bemerkenswert ist auch Sara Giraudeau als Jans Ehefrau: Sie bringt ein Selbstbewusstsein in diese Rolle, das die Erwartungen des Regisseurs übertraf und die Rolle der Ehefrau schön aufgewertet hat.

Der Fall Bojarski
Start ab 30. Juli

Regie Jean-Paul Salomé

Drehbuch mit Bastien Daret

Kamera Julien Hirsch

Musik Mathieu Lamboley

Besetzung Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin, Camille Japy

FR/BE 2025, 128 Min., frz.OmU|dtF, ab 16

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