1929 hatte Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur erhalten. Im Oktober 1930 hat er nach den großen Stimmenzuwächsen der Nationalsozialisten im Berliner Beethoven-Saal eine Rede gehalten (heute als „Deutsche Ansprache“ bekannt), in der er die Nationalsozialisten „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ nannte. Nach weiteren Reden kündigte Mann – von seinem Urlaubsort in der Schweiz – seine Mitgliedschaft bei der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie … und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück. Nach einer ersten Reise in die USA 1934, hielten sich Thomas Mann und seine Ehefrau Katia in mehreren europäischen Staaten auf. Nach Ablauf seines deutschen Passes bot ihm die Tschecheslowakei die Staatsbürgerschaft an. Ab 1938 lebte das Ehepaar Mann dann dauerhaft in den USA.
Der Film ,Vaterland‘ schildert, wie sich 1949 Thomas Mann und seine Tochter Erika auf eine Reise durch das in Trümmern liegende Nachkriegsdeutschland begeben. Thomas Mann soll im August 1949 zweimal einen Goethe-Preis erhalten (zum 200. Geburtstag des Dichters): von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone und von Weimar im sowjetisch kontrollierten Osten.
Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze wünscht man sich Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom größten aller Erzähler. Zwischen euphorischen Wagner-Erben und literarisch versierten Generälen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert … und beschimpft.
Es war das erste Mal, dass Thomas Mann nach gut 15 Jahren in sein Heimatland zurückkehrt. Eine Reise in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll – sie wird für Erika und den Zauberer, wie seine Kinder ihn oft nannten, zu einer Reise in innerste Zweifel.
Natürlich werden wir Hanns Zischler und Sandra Hüller erwähnen, die hier Thomas und Erika spielen. Aber wir sollten auch sagen, dass ein paar Dinge in diesem kurzen, intensiven Film historisch nicht ganz korrekt sind. Mann machte diese Reise tatsächlich, aber in Begleitung seiner Ehefrau Katia; der Freitod seines Sohn Klaus (gespielt von August Diehl) lag damals schon mehrere Monate zurück.
Co-Drehbuch-Autor Henk Handloegten kennt sich in der deutschen Vergangenheit inzwischen perfekt aus … nach all den Drehbüchern und der Regie-Arbeit für ,Babylon Berlin‘. Am 30. August ist er im Abaton zu Gast. Ganz nebenbei hat er wohl weitere Babylon-Darsteller dem polnischen Regisseur Paweł Pawlikowski vorgeschlagen. Neben Hanns Zischler selbst sind da vor allem Fritzi Haberlandt. Pawlikowski wiederum legt hier ein neues Werk in seinem Stil vor, der schon seinen Film ,Ida‘ ausgezeichnet hatte (für den er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde). Und da sind die Grautöne des Kameramanns Łukasz Żal … aber am Besten schauen sie selbst…
Hamburger Premiere
Dazu kommt der Co-Drehbuchautor Henk Handloegten am Sonntag, 30. August um 18 Uhr ins Abaton.
RegiePaweł Pawlikowski
Drehbuch mit Henk Handloegten
Kamera Łukasz Żal
Musik Marcin Masecki
Besetzung Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Fritzi Haberlandt, Milan Peschel, Enno und Theor Trebs
PL/DE/FR/IT 2026, 82 Min., dtF