Spiderman, Hartz-IV-Möbel und die Flüchtlinge

Regie Reinhard Kahl
Mit Van Bo Le-Menzel
DE 2017, 60 Min., dt.F.
 feste Termine im  FilmABC

Reinhard Kahl

Reinhard Kahl präsentiert

„Van Bo hat etwas Zukünftiges. Ein Held in postheroischen Zeiten. Was das heißt, zeigen die Szenen, Bilder und Töne eines Films besser als es ein Text könnte. Ich habe den schon seit einiger Zeit fertigen Film in diesem Jahr zweimal erneuert, weil was bis dahin nur Van Bos Absicht war, zur Realität wurde, die gezeigt werden muss.

Als vor Jahren seine Freundin von dem Architekturstudenten verlangte, dass er ein Regal baut, besuchte er den Volkshochschulkurs „Tischlern für Anfänger“. Er meinte, er hätte zwei linke Hände. Das Ergebnis dieses Kurses ist – nach einigen Umwegen – die Ausstellung seiner Möbel im Olymp der Designer, das Vitra Museum in Weil am Rhein.

Kaum als Architekt angestellt, kündigte er und erfand die „Hartz-IV-Möbel“ zum Selberbauen. Dem folgte ein Minihaus für Flüchtlinge.  Nun baut er mit anderen kleinste Häuser und gründete die Tiny-House-University. Zwischendurch drehte er einen Spielfilm ohne nennenswertes Budget, arbeitete als Lehrer und als Professor verteilte er sein Honorar an die Studenten.

Van Bos Eltern flüchteten mit dem Zweijährigen aus Laos. Als Jugendlicher nannte er sich „Prime“ und war in Berlin ein stadtbekannter Freestyler. So lernte ich ihn 1994 kennen als ich für das ZDF/3sat die vierteilige Serie „Aufbruch – Die Kraft der Einwanderer“ drehte. (Wofür es den Civis-Preis und den Preis der Civis Jugendjury gab.) 

Die übliche Frage nach einer eindeutigen Identität passt nicht zu Van Bo. Er ist eher ein Multi. Das zeigt sich vor allem darin, wie er seine Sachen macht. Weniger durch Besitz und Status als durch Beweglichkeit. Nicht mit Perfektion, sondern mit Eigensinn und Empathie. Probleme sind für ihn zumeist Anlässe für ungewöhnliche Lösungen. Eine seiner Maximen lautet: Immer wieder Anfänger werden!

Auf Van Bo passt ein Satz, den Goethe für seinen »West-östlichen Diwan« aus dem Persischen importiert und auf Kinder gemünzt hatte: »Sie brauchen Wurzeln und Flügel«. Flüchtlinge wie Van Bo müssen neue Wurzeln bilden. Und weil Wurzeln nicht reichen, können ihnen Flügel wachsen, die vielleicht kräftiger sind als die der lange schon Verwurzelten.

Es ist vielleicht mein bisher bester Film – und es ist keineswegs so, dass das jüngste Kind immer das schönste ist. Bevor der Film gesendet wird und auch auf DVD erscheint, freue ich mich auf die Vorpremiere im schönsten Kino von Hamburg.“
Reinhard Kahl

Wer schon mal neugierig ist, findet auf hartzivmoebel.de einen guten Startpunkt.

Vorstellung mit Gästen
… in der Matinee am 3. Dezember mit Reinhard KahlVan Bo Le-Menzel und der Kabarettistin Idil Baydar (alias Jilet Ayse).


Filmausschnitt (FSK unbekannt, hier geht Fullscreen)


Filmausschnitt (FSK unbekannt, hier geht Fullscreen)