Der Skandal als vorlauter Bote

Vortragsreihe mit Hannes Heer
 feste Termine im  FilmABC

Richard von Weizsäcker

Die großen deutschen Geschichtsdebatten als Selbstaufklärung der Gesellschaft und Aneignung der Schuld.

Mit dieser Film- und Vortragsreihe erforscht der Hamburger Historiker und Publizist Hannes Heer bis Oktober 2017 in Vorträgen mit Filmausschnitten die Hintergründe deutscher politischer Skandale von 1955 bis 1995. Ein Faltblatt mit Infos zur ganzen Reihe liegt im Kino aus und gibt’s hier zum Download.

Die Reihe von Abaton und Hannes Heer entstand in Kooperation mit der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft Hamburg e.V., der Evangelischen Akademie der Nordkirche, dem Institut für die Geschichte der Deutschen Juden, der Körber-Stiftung und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Beim sechste Termin in der Matinee am 18. Juni geht es um
Der Kampf um die deutsche Schuld.
Weizsäcker-Rede [1985], »Historikerstreit« [1986] und Jenninger-Sturz [1988]

Am 8. Mai 1985 bezeichnete der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Kriegsende als »Tag der Befreiung« und den Mord an den Juden »als beispiellos in der Geschichte«. Die Historiker Ernst Nolte und Andreas Hillgruber widersprachen und lösten damit den »Historikerstreit« aus. Beide versuchten, die deutsche Verantwortung am Holocaust zu relativieren: Nolte sah darin nur die Imitation der Ermordung des russischen Bürgertums durch die Bolschewiki und

verwies auf die Erfindung des politischen Massenmordes in der Französischen Revolution. Hillgruber verlangte die Trennung der deutschen von der jüdischen Geschichte: Für die Juden sei der 8. Mai 1945 eine Befreiung, für die Deutschen dagegen eine Ka- tastrophe gewesen. Zudem ständen Holocaust und Kapitulation in keinem Zusammenhang. Gegen diese »deutschen Sonderwe- ge« bestand Jürgen Habermas darauf, dass nur die universellen Menschenrechte die Basis einer demokratischen Identität bilden könnten. Auch die Rede des Bundestagpräsidenten Philipp Jenninger am 8. November 1988 im Bundestag war eine Replik auf den »Historikerstreit«: Er forderte das Eingeständnis einer millionenfachen Mitverantwortung der Deutschen für die NS-Verbrechen. Weil diese Wahrheit zu früh kam, musste er wenige Tage später zurücktreten. // Film: arD/zDF material.

Dazu zeigen wir:
Zeitgenössische Ausschnitte aus ARD und ZDF

Vortrag mit Filmausschnitten
In der Matinee am 18. Juni spricht Hannes Heer über den durch die Weiszäcker-Rede 1985 ausgelösten „Historikerstreit“. Ulrich Hentschel moderiert das Gespräch.